UnternehmerTREFF digital: Agentische KI braucht klare Prozesse
Wie können KI-Agenten Geschäftsprozesse nicht nur unterstützen, sondern innerhalb festgelegter Grenzen eigenständig steuern? Diese Frage stand im Mittelpunkt des UnternehmerTREFF digital der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO) am 15. Juli 2026. Unter dem Titel „Potenziale agentischer KI für das Geschäftsprozessmanagement“ gab Prof. Dr. Diana Sola von der DHBW Heidenheim Einblicke in aktuelle Entwicklungen und betriebliche An-wendungsmöglichkeiten.
Sola ist Professorin für Data Science und Künstliche Intelligenz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der KI-gestützten Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen. In ihrem Vortrag erläuterte sie die Entwicklung von digitalisierten und automatisierten Abläufen hin zu agentengesteuerten Prozessen.
Dabei machte sie deutlich, dass sich nicht jeder Prozess gleichermaßen für den Einsatz agentischer KI eignet. Regelbasierte und klar strukturierte Abläufe könnten weiterhin mit klassischen Automatisierungslösungen bearbeitet werden. Das Potenzial von KI-Agenten liege vor allem in komplexen Situationen, in denen Flexibilität und eigenständige Entscheidungen erforderlich seien.
„Die Frage ist nicht, ob KI-Agenten Prozesse übernehmen, sondern wo sie sinnvoll eingesetzt werden. Der größte Nutzen entsteht dort, wo Flexibilität gebraucht wird – nicht dort, wo klare Regeln ausreichen“, sagte Sola.
Eine zentrale Voraussetzung sei ein umfassendes Verständnis der bestehenden Geschäftsprozesse. Werden ineffiziente Abläufe lediglich digitalisiert oder durch KI-Agenten gesteuert, bleiben die grundlegenden Schwächen bestehen. Unternehmen sollten deshalb zunächst ihre Prozesse, Ziele und Verantwortlichkeiten klären.
Auch bei autonomen Systemen bleibe eine verlässliche Steuerung notwendig. Das Verhalten der KI-Agenten müsse kontinuierlich beobachtet und analysiert werden. Dies sei unter anderem für die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, die Einhaltung betrieblicher und rechtlicher Vorgaben sowie die gezielte Verteilung von Ressourcen entscheidend.
„Mit dem UnternehmerTREFF digital schaffen wir einen direkten Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und regionaler Wirtschaft. Der Vortrag hat deutlich gemacht: KI entfaltet ihren Nutzen nicht durch maximale Automatisierung, sondern durch klare Ziele, belastbare Prozesse und eine verantwortungsvolle Steuerung. Das ist gerade für den Mittelstand ein wichtiger Orientierungsrahmen“, sagte Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der WiRO.
Als wichtiges Instrument stellte Sola die Verbindung von Process Mining und Agent Behavior Mining vor. Mithilfe der gewonnenen Daten könnten Unternehmen beispielsweise lange Wartezeiten, unerwünschte Abweichungen, wiederkehrende Prozessschleifen sowie hohe Kosten durch Nachbearbeitung oder menschliche Eingriffe identifizieren. Prozesse und das Verhalten der eingesetzten KI-Agenten müssten dabei gemeinsam betrachtet werden.
Prof. Sola lud die teilnehmenden Unternehmen zudem dazu ein, konkrete Anwendungsfragen und Prozessprobleme aus der betrieblichen Praxis einzubringen. Für ihre Forschungsvorhaben sucht sie den Austausch mit Unternehmen, um innovative Projekte an der Schnittstelle von Prozessanalyse, Prozessoptimierung und Künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen wissenschaftlich relevante Lösungen mit einem konkreten Nutzen für die Unternehmen, beispielsweise effizientere Abläufe oder eine bessere Entscheidungsunterstützung.
Zum Abschluss fasste Sola die zentrale Botschaft des Vortrags zusammen: „Prozesse sind vielleicht manchmal langweilig. Aber die Prozesse entscheiden, wo KI wirklich Wert schafft.“