Gottesbilder und Sinndeutung

Der Doktorand Georg Reiff erforscht, welche Bedeutung Gottesbilder und religiöse Symbole in unserer Gesellschaft haben und wie sich dadurch Gruppen voneinander abgrenzen.

Mit dem „Innovationsprogramm Forschung“ (IPF) fördert die Duale Hochschule Baden-Württemberg den akademischen Mittelbau sowie die Themen Forschung, Innovation und Transfer. Sieben Doktorand*innen forschen und lehren mithilfe dieses Programms für jeweils drei Jahre an der DHBW Heidenheim. Einer davon ist Georg Reiff, er geht unter anderem der Frage nach woher der zunehmende Rückgriff auf die Religion kommt, wenn es darum geht, sich selbst zu definieren und andere auszugrenzen.

Titel der Arbeit: Religion und säkulare Gesellschaft: Eine qualitative Studie zur Bedeutung von Gottesbildern und Wahrnehmung sakraler Symbolik für die Entstehung gruppenbezogener Stereotype und Vorurteile.

Forschungsthema: In jüngster Zeit wird die Integrationsfähigkeit europäischer Demokratien zunehmend durch (rechts-)populistische Strömungen herausgefordert, die gezielt Zuschreibungen kultureller und religiöser Fremdheit zur Ausgrenzung von Fremdgruppen benutzen. Derzeit fehlt es jedoch an einem angemessenen Verständnis für die Wirkfaktoren, die die populistische Mobilisierbarkeit der Mehrheitsgesellschaft durch identitätsstiftende Konzepte eines „christlichen Abendlandes“ erklären können. Religionssoziologisch wird dabei die Rolle von den in der Mehrheitsgesellschaft vorhandenen subjektiven Gottesbildern bei der religiösen Identitätsbildung und Fremdgruppendefinition zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein besseres Verständnis des Zusammenhangs zwischen persönlichem Gottesbild bzw. religiöser Identität in der christlich geprägten Majoritätsgruppe und der Wahrnehmung ‚fremdreligiöser‘ Sakralarchitektur kann künftig Beiträge zur verbesserten interreligiösen Kommunikation – etwa in Gestaltung interreligiöser Begegnungszentren in den ethnisch und kulturell stark gemischten Stadtvierteln Heidenheims und andernorts – begründen.

Methode: Grundlage der Studie sind qualitative, teilstandardisierte Leitfadeninterviews mit religiösen, christlichen Menschen zu deren Gottesbild und Wahrnehmung religiöser Symbolik und Sakralarchitektur. Aus diesem Datenmaterial werden mittels Margrit Schreiers Werkzeugkasten-Modells der Qualitativen Inhaltsanalyse individuelle Gottesbilder induktiv rekonstruiert und systematisiert. Mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse, der Deutungsmusteranalyse und der Methode des Lauten Denkens werden diese rekonstruierten individuellen Gottesbilder mit den Ausführungen zur religiösen Symbolik und Sakralarchitektur zusammengebracht, interpretiert und auf mögliche Wechselbeziehungen hin ausgewertet.

Doktormutter/ -vater: Prof. Dr. Horst-Alfred Heinrich, Universität Passau und Prof. Dr. René Gründer, Duale Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim

Hintergrund: Georg Reiff studierte Politikwissenschaften und Südasienwissenschaften an der Martin-Luther Universität Halle/Wittenberg und machte seinen Master in Staatswissenschaften: Governance und Public Policy an der Universität Passau. Der 33-Jährige ist nun als akademischer Mitarbeiter im Studiengang Soziale Arbeit tätig.

Motivation für die Forschungsarbeit: Georg Reiff interessiert vor allem, warum Religion nicht nur in religiösen Zusammenhängen im Namen und zum Schutz einer vermeintlichen abendländischen Identität, als Rechtfertigungspotenzial genutzt wird, um gegen gesellschaftliche (religiöse) Minderheiten und Fremdgruppen zu mobilisieren. Woher kommt der zunehmende Rückgriff auf die Religion, wenn es darum geht, sich selbst zu definieren und andere ab- oder gar auszugrenzen? Dabei möchte Georg Reiff genauer untersuchen, welchen Einfluss individuelle religiöse Identitäten auf die Integrationsfähigkeit von Religion(en) besitzen und inwieweit religiöse Architektur diese im Stadtbild mit prägt. Mit seiner Dissertation möchte er dazubeitragen, ein Bewusstsein für die Wirkungskraft materieller Religion in der Öffentlichkeit zu schaffen und so die integrierenden Kräfte in unserer Gesellschaft sowie den interreligiösen Dialog zu stärken.