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Von Tuzla bis Sarajewo – Gesundheitsversorgung und Rehabilitation in Bosnien und Herzegowina

Die Studierenden des Abschlusssemesters im Studiengang Interprofessionelle Gesundheitsversorgung (IPV) konnten in diesem Jahr eine besondere Exkursion durchführen. Die Reise ging nach Bosnien und Herzegowina. Ziel des Besuchs war der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Studierenden beider Länder.

Die Absolventen aus den Professionen Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Pflege erhielten vertiefte Einblicke in die universitäre Ausbildung und die praktische Umsetzung der Gesundheitsversorgung und Rehabilitation in Bosnien und Herzegowina vor Ort.

Den Studierenden bot sich ein umfassendes Programm, welches von Prof. Dr. rer. nat. Sujata Huestegge, Leiterin des Studiengangs Interprofessionelle Gesundheitsversorgung, zusammen mit dem ortskundigen Ismet Dervisic, Student der IPV, sowie der Universität Tuzla und der Universität Sarajewo auf die Beine gestellt wurde.

Prof. Dr. Sujata Huestegge führte die Studierenden der Fakultät für Erziehung und Rehabilitation an Universität Tuzla in die aktuellen Entwicklungen der interprofessionellen Gesundheitsversorgung an der Schnittstelle Pflege und Rehabilitation ein. Sie stellte die Besonderheiten des dualen Studiums an der DHBW und das deutschlandweit einmalige DHBW-Studienmodell der Interprofessionellen Gesundheitsversorgung vor. Im Gegenzug wurden den Studierenden der DHBW Heidenheim im Rektorat der Universität die curricularen Besonderheiten im Bereich Sonderpädagogik, Ergotherapie und Logopädie in Bosnien und Herzegowina vorgestellt.

Im Anschluss begleiteten Prof. Dr. Amela Ibrahimagić und Prof. Dr. Senad Mehmedinović die Studierenden beider Hochschulen zu einer NGO-geführten Tageseinrichtung, dem „Steps of Hope“-Zentrum („koraci nade“), welches in enger Kooperation Studierende der Fakultät für Erziehung und Rehabilitation (UNTZ) auch praktisch ausbildet.

Die Studierenden erhielten einen Einblick in die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen unter der Leitung von Jasmina Krivošija und diskutierten mit weiteren Expert*innen über die Rollen und Aufgaben von Pädagog*innen und Stakeholdern der Gesundheitsfachberufe beider Länder.  Neben den fachspezifischen Fragen wurden dabei auch soziologische Hintergründe beleuchtet. Ganz im Sinne des dualen Studiums gab es im Anschluss von den Therapeut*innen im Zentrum praktische Einblicke in die Therapien der Kinder und Jugendlichen.

Des Weiteren wurde von den Gastgeber*innen ein Besuch in der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Leitung: Dr. med. Emir Halilbegović und Dr. Lejla Matović) des Universitätsklinikums in Tuzla organisiert. Beim Besuch einer der fortschrittlichsten Kliniken des Landes zeigten sich aber auch die Grenzen der medizinisch-rehabilitativen Möglichkeiten, was zu einer regen Diskussion bezüglich des Vergleichs der internationalen Gesundheitssysteme führte. Neben dem fachlichen Austausch hatten die Studierenden beider Länder auch Zeit für einen informellen Austausch und die Möglichkeit der sozialen Vernetzung.

Zum Abschluss des Besuchs an der Universität Tuzla fand ein Treffen im Literaturhaus (Dom književnosti) der Stadt statt. Studierende aus Bosnien und Herzegowina und Deutschland tauschten sich über ihre gewonnenen Eindrücke mit den Professor*innen beider Länder aus. Auch bekamen sie durch die Verortung der Veranstaltung neue Literaturanregungen heimischer, international anerkannter Schriftsteller (z.B.  Meša Selimović ) mit auf den Weg.

Nach einem Tag Sightseeing und Pause in der idyllischen Stadt Mostar und dem Umland, wo Moscheen und Naturlandschaften besucht wurden, waren die Studierenden der DHBW Heidenheim zu Gast an der Universität in Sarajewo. Dort wurde die Fakultät für Gesundheitsstudien, insbesondere die Studiengänge Health Care und Physiotherapie, besucht. Prof. Dr. Vedran Đido und Prof. Dr. Eldad Kaljić stellten die Lehrpläne und die Ausstattung der Studiengänge vor und gaben bei einem abschließenden Campus-Café-Besuch vertiefte Einblicke in das Leben akademischer Mitarbeiter*innen im Bereich der Gesundheitsversorgung und in die Situation der raren freien Therapiepraxen der Physiotherapie in Sarajewo.

Am letzten Tag der 6-tägigen Exkursion widmeten sich unsere Studierenden den Themen der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs. Sie besuchten das Museum für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord 1992-1995 in Sarajevo. Zum Abschluss der Exkursion wurde im Rahmen der Reflexionsarbeit der Miniworkshop «Kreatives Schreiben in einem neuen kulturellen Kontext» erfolgreich absolviert. Alle Beteiligten waren sich einig, dass in sehr kurzer Zeit ein immenser Wissens- und Erfahrungszuwachs durch diese Exkursion, die u. a. vom Förderverein der DHBW Heidenheim unterstützt wurde, erfolgt ist.

Die Begeisterung war nicht nur auf der deutschen Seite sehr groß, auch die Studierenden und Professor*innen der Gastgeber waren erfüllt von der Neugier, die deutsche Ausbildungs- und Berufspraxis an der DHBW näher kennenzulernen. Eine zukünftige Zusammenarbeit der beiden Hochschulen wurde in Zusammenarbeit mit dem International Office der DHBW Heidenheim unter Brigitte Ilg vereinbart.

 

Link zum Beitrag Universität Tuzla: http://erf.untz.ba/web/uspostavljena-saradnja-sa-kolegama-iz-heidenheima-die-duale-hochschule-baden-wurttemberg-dhbw/

Steps of Hope: https://koracinade.ba/

Link zum Beitrag der Universität Sarajewo: https://www.fzs.unsa.ba/archives/19883

Link zum Literaturhaus in Tuzla: https://centarzakulturutuzla.ba/

Link zur Universitätsklinik Tuzla; Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation: https://www.ukctuzla.ba/ukctuzla/?page_id=489&lang=bs