Sozialmanagement-Studierende zu Besuch im Sozialgericht Ulm
Mit dem Ziel, Theorie-Praxis-Transfer zu stärken und Sozialrecht als lebendige Rechtsmaterie erfahrbar zu machen, besuchten Sozialmanagement-Studierende das Sozialgericht in Ulm.
(Sozial-)recht wird von den Studierenden auf Grund seiner abstrakt-generellen Ausgestaltung oft als spröde und schwer zugänglich betrachtet. Um diese Hürde zu reduzieren, besuchten Studierende der Studienrichtung Sozialmanagement im Rahmen der Lehrveranstaltung Sozialrecht von Prof. Dr. Roman Grinblat das Sozialgericht Ulm. Vor Ort konnten die Studierenden des dritten Semesters nicht nur die gerichtliche Praxis unmittelbar erleben sondern auch zentrale Inhalte des Sozialgesetzbuches mit konkreten Fallkonstellationen verknüpfen. Ziel des Besuchs war es, den Theorie-Praxis-Transfer zu stärken und Sozialrecht nicht nur als Normengefüge, sondern als lebendige Rechtsmaterie erfahrbar zu machen.
Im Mittelpunkt der Exkursion standen Verhandlungen aus dem Bereich des Teilhaberechts nach dem Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX). Die Studierenden konnten nachvollziehen, wie abstrakte Rechtsbegriffe wie „angemessene Teilhabe“, „Zumutbarkeit“ oder „Bedarfsermittlung“ in der gerichtlichen Praxis ausgelegt und mit Leben gefüllt werden. Besonders eindrücklich waren Fälle zur Frage individueller Bedarfsfeststellung.
Im Anschluss an die Verhandlungen bestand die Möglichkeit zum Austausch mit Vertreter*innen des Gerichts. Dabei wurden prozessuale Abläufe, die Rolle der ehrenamtlichen Richter*innen sowie die Bedeutung der Amtsermittlung im sozialgerichtlichen Verfahren erläutert. Für die Studierenden wurde deutlich, wie stark sozialrechtliche Entscheidungen in biografische Verläufe eingreifen und welche Verantwortung sowohl Verwaltung als auch Rechtsprechung tragen.
Der Besuch verdeutlichte, dass Sozialrecht weit mehr ist als Paragraphenkenntnis. Es geht um konkrete Lebenslagen, Teilhabechancen und die Umsetzung sozialstaatlicher Verantwortung. „Der direkte Einblick in die gerichtliche Praxis trug wesentlich dazu bei, das Zusammenspiel von Verwaltung, Recht und sozialer Arbeit besser zu verstehen – und Sozialrecht als gestaltendes Instrument sozialer Gerechtigkeit zu begreifen. Wir sind sehr dankbar, das die Gerichtsleitung und die Richterin der 8. Kammer des Sozialgerichts Ulm uns den Besuch ermöglicht und unsere zahlreichen Fragen geduldig beantwortet haben“, fasst Prof. Dr. Roman Grinblat die Exkursion zusammen.